Schachzwerge on tour

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Vororteindrücke

Den Blog werden wir nutzen, um über mehrtägige Turniere oder Trainingslager ein paar Eindrücke nach Hause zu schicken.

Tag 2: Doppelrunde: Wolken am Himmel und schlechtes Schach

WM 2018 in GriechenlandPosted by Ursula Morgenstern Mon, October 22, 2018 11:09:18

Der heutige Tag war ziemlich durchgetaktet und liess kaum Spielräume für Aktivitäten abseits des Schachbretts, zumindest für den sportlich Aktiven von uns. Nach einem ausgewogenen Frühstück ( wenn man die von uns beiden verzehrten Lebensmittel in der Summe betrachtet und etwas umverteilt) in Gesellschaft der deutschen U18 Spielerin Inken Köhler, blieb gerade noch etwas Zeit sich kurz für die Morgenpartie etwas anzusehen, bevor wir uns auf den Fussmarsch zur Olympic Hall begaben und damit das Denkerhirn wenigstens 15 Minuten frische Luft abbekam.

Im Spielsaal begann dann wieder die Suche nach dem richtigen Brett, diesmal nicht Live und somit am anderen Ende. Dort wurde Tobias schon von seinem Gegner erwartet, der als Geschenk ein Basecap mit der Flagge Südafrikas an diesen überreichte. Im Gegenzug erhielt er von uns eine Ansichtskarte von Magdeburg sowie Hallorenkugeln.

Vorbereitet hatte Tobias sich auf eine Nebenvariante der spanischen Erröffnung, wurde dann vom Gegner im 5. Zug mit d4 direkt überrascht, kannte sich damit nicht aus und musste "frei Schnauze" weiter spielen. Dies gelang zunächst noch recht gut, so dass er sich nach der Eröffnung in einer annehmbaren Stellung befand. Um sich einen Figurenvorteil zu verschaffen, stellte er einen Bauern ein, dieses Unterfangen erwies sich allerdings als trügerisch. Stattdessen befand sich plötzlich der Südafrikaner in einer besseren Position. Doch konnte der Jugendliche aus Kapstadt daraus keinen Nutzen ziehen, im Gegenteil, er stellte seine Figuren danach schlechter, geriet in Zeitnot, übersah etwas und verhalf somit Tobias nach ca. vier Stunden zu einem glücklichen ersten WM-punkt.

Das Hotel hatte dies Essenszeiten wegen der Doppelrunde nach hinten verschoben, so dass wir um 14.30 Uhr noch entspannt unser Lunch einnehmen konnten. Pizza, Pommes und Spaghetti mit Tomatensoße , erstaunlicherweise blieb trotzdem das WM-trikot weiss, ohne rote Tupfer.

Gegen 15.30 Uhr war dann endlich die Auslosung raus für die 2. Runde des heutigen Tages, unser Schachzwerg sollte es mit einem Weissrussen zu tun bekommen. Für die Vorbereitung, die diesmal wegen Tatjanas Punktspiel selbständig erfolgen müsste, blieb nur wenig Zeit, abgesehen davon gab die Chessbase Datenbank zum Kontrahenten kaum etwas her.

Der Versuch sich wenigstens noch etwas auszuruhen vor dem anstrengenden Spätnachmittag war auf Grund des immer noch hohen Adrenalinspiegels auch nicht so effektiv.

An Frischluft müsste das genügen, was auf dem Weg zur Olympic Hall aufgenommen werden könnte.

Kurzum sind 2 1/2 Stünden für Mittagessen, Vorbereitung, Abschalten und körperliche Betätigung draussen nicht wirklich viel Zeit.

Während am Vormittag noch ab und zu die Sonne für kleine Lichtblicke sorgte, zog sich der Himmel im Verlauf des Tages mehr und mehr zu, auch einige dunklere Wolken waren zu sehen.

Passend dazu verlief die 3. Runde: Tobias spielte mit weiss eine spanische Eröffnung. Schon in dieser Phase kam er durch das Zulassen von d5 in eine leicht ungünstigere Stellung , welche sich durch f4 im Mittelspiel verschärfte. Langes Rechnen brachte einen erheblichen Zeitverlust mit sich und durch das ( ich zitiere jetzt wörtlich)" naive, dumme, blindflanschige" Einstellen eines Bauern, geriet er nun endgültig auf die Verliererstrasse, dazu kam, dass am Ende des langen Tages " die Luft raus war".

Nebenbei bemerkt zeugt auch das Partieformular von erheblichen Konzentrationsmängeln. Bleibt nur auf Besserung zu hoffen.

Kurz nach 20 Uhr traf mein angesäuerter Schachzwerg wieder im Hotel ein. Nach einem späten Abendbrot blieb noch wenig Zeit den Kopf frei zu bekommen bevor wir,ohne die Auslosung für die 4.Runde abzuwarten, in den Tiefschlaf fielen.

P.S.:

Falls sich jemand die Frage stellen sollte, was der FanReporter hier den ganzen Tag macht, lautet die Antwort Stricken, Lesen, Blog schreiben, mit anderen Eltern quatschen, Leute beobachten, Fotografieren, Kaffeetrinken, Spazierengehen, Füsse ins Mittelmeer tauchen, moralische Unterstützung leisten...



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